Historisches Fotoarchiv wird digitaler Wissensspeicher

Seit 2015 erschließt und digitalisiert die Stiftung Deutsches Design Museum in verschiedenen Projekten das Historische Fotoarchiv des Rat für Formgebung. Bekannte und ebenso unbekannte Designwerke und Persönlichkeiten sollen in ihrer designkulturellen Relevanz gewürdigt und kommuniziert werden. Von den Ergebnissen sollen Wissenschaft und Forschung ebenso wie die breite Öffentlichkeit profitieren. Mit der Digitalisierung dieses Kulturgutes entsteht ein digitaler Wissensspeicher, der kontinuierlich erweitert wird, bis das Gesamtarchiv vollständig erschlossen ist. Rund die Hälfte des Bestandes konnte bislang digitalisiert werden.

 

Zum digitalisierten Bildbestand bei der Deutschen Fotothek

Wegweiser in die Moderne

Um die Entwicklung vorbildlichen Industriedesigns zu dokumentieren und zu kommunizieren, baute der Rat für Formgebung ab Mitte der 1950er bis in die 1990er Jahre eine stetig wachsende Bildsammlung nahezu enzyklopädischen Umfanges auf. Ein wertvolles Gebrauchsarchiv für Produzenten, Gestalter*innen, Lehrende und Lernende entstand. Orientiert an der Systematik der „Deutschen Warenkunde“ wurde es über die Dekaden hinweg ausgebaut.

Heute ein vielschichtiges historisches Zeitzeugnis, illustriert das vor allem aus wissenschaftlicher Sicht wertvolle Gebrauchsarchiv in rund 40.000 Originalfotografien und 1.400 Diapositiven des historischen Dia-Katalogs nicht nur den Wandel der Formgebung, sondern auch die Weiterentwicklung der Sachfotografie in der Moderne. Vertreten sind alle bedeutenden, aber auch weniger bekannte Serienprodukte für Alltag, Arbeitswelt und Investitionsgüter von deutschen und internationalen Herstellern. Fotos von Ausstellungen und Messen, aus Handwerk und Kunsthandwerk erweitern das Spektrum.

Digital, nicht museal

Der Anfang ist gemacht: Als Dauerleihgabe wurde das Gebrauchsarchiv 2015 der Stiftung Deutsches Design Museum übertragen. Damit verbindet sich der Auftrag, die Originalsammlung zu erhalten, deren Fotografien (und Diapositive) wissenschaftlich zu erschließen und zu digitalisieren. So können wir ein einzigartiges Fotoarchiv erhalten, weiter erforschen und für Forschung, Lehre und Öffentlichkeit sichtbar machen.

Dem herausfordernden Arbeitsspektrum widmen sich Expert*innen unserer Stiftung und der Deutschen Fotothek in der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) seitdem, unterstützt von Förder*innen aus Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft.

Der stetig wachsende, aktuelle Bestand ist auf der Website der Deutschen Fotothek verfügbar.

Informationen zu aktuellen Projekten und der Historie des Rat für Formgebung finden sie hier.

Archiv der Zukunft

Für ein Archiv der Zukunft — nutzbar für die Öffentlichkeit und Fachwelt — erfassen, erforschen und erhalten wir:

— rund 40.000 Originalfotografien + beschriftete Rückseiten

— 24.000 Registermappen mit individuellen Einträgen

— 1.400 Diapositive aus dem historischen Dia-Katalog

Beteiligung an Bildungs- und Ausstellungsprojekten

Parallel zum Aufbau des Wissensspeichers im Netz stellt die Stiftung Deutsches Design Museum ausgewählte Bildmaterialien für Kultur- und Bildungsprojekte zur Verfügung. Unterstützt wurden bereits mehrere Vorträge und Ausstellungen, darunter „Die Entdeckung der Dinge. Fotografie und Design“ der Wilhelm-Wagenfeld Stiftung in Bremen sowie „Objekt und Abbild“, eine Sonderausstellung in Kooperation mit der BraunSammlung e.V. in Hessen.

In diesem Kontext stehen auch Aufsätze und Illustrationen für Fachpublikationen, insbesondere für die wissenschaftliche Schriftenreihe „Design & Bildung" und „Rundbrief Fotografie“.

DFG-Projekt „Die Gute Form“

Von 2018 bis 2020 erschlossen und digitalisierten die Stiftung Deutsches Design Museum und die Deutsche Fotothek in der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) rund 20.000 Originale des Historischen Fotoarchivs und damit die Hälfte des Gesamtbestandes. Die Förderung des interdisziplinären Großprojektes „Die Gute Form. Digitalisierung und Erschließung herausragender Fotografien zum Produktdesign 1950 – 1990“ durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) würdigt die hohe wissenschaftliche Bedeutung des Vorhabens. Das in diesem Vorhaben erstmals systematisch erschlossene und digitalisierte Bild- und Datenmaterial ermöglicht eine vielschichtige Befassung mit der bisher kaum erforschten Designepoche der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

In dem Bestand finden sich Konzerne und Hersteller internationaler Geltung sowie Maschinenhersteller für diverse Industriebranchen. Erschlossen und digitalisiert wurden auch Bildbestände zum Sammlungsbereich „Ausstellungen“: So wurden die deutschen Beiträge zu den Triennalen X -XIV im Zeitraum 1954 bis 1968 erfasst.
 

Zur Deutschen Fotothek

Dia-Katalog und Diapositivsammlung

Die Digitalisierung von rund 1.400 Diapositiven des historischen Dia-Kataloges, mit dem der Rat für Formgebung vorbildliche Formgebung in den 1950er und 1960er Jahren primär zu Lehrzwecken dokumentierte, bietet Fachwelt und Öffentlichkeit einzigartige Bildinhalte und Metadaten.

1962 erschien der Katalog erstmals als 297-seitige Blattsammlung, 1963/64 noch einmal als aktualisierte Version. Als damals zeitgemäßes Medium für Vorträge oder Ausstellungen bildet der Katalog einen der wichtigsten Teilbestände der Sammlung, da er auch die Befassung mit der designdidaktischen Praxis dieser Epoche erlaubt.

Gefördert wurde das sechsmonatige Arbeitsprojekt von der Stiftung Flughafen Frankfurt am Main für die Region.

 

Recherche in der Deutschen Fotothek

Pilotprojekt WMF

Mit der Erschließung eines exemplarischen Teilbestandes des Historischen Fotoarchivs – dem der Württembergischen Metallwarenfabrik AG (WMF) – wurden die wissenschaftlichen Standards für das gesamte Digitalisierungsprojekt geschaffen und in die Praxis umgesetzt. Gleichzeitig legte das erfolgreiche Pilotprojekt den Grundstein für die langfristige, interdisziplinäre Kooperation mit der Deutschen Fotothek in der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB).

Das Pilotprojekt wurde gefördert von der Hessischen Kulturstiftung.

Ausführliche Informationen zu dem Pilotprojekt können im Rundbrief Fotografie, Vol. 25 (2018), No. 1, nachgelesen werden.

Aus dem WMF-Bestand im historischen Fotoarchiv

Universalschalen von Bildhauer Günter Kupetz, 1956
Württembergische Metallwarenfabrik Geislingen (Steige)

Universalschalen von Bildhauer Günter Kupetz, 1956

Fotografie: Werkaufnahme, WMF Geislingen/Steige. Objekt: Universalschalen von Bildhauer Günter Kupetz, 1956, Württembergische Metallwarenfabrik Geislingen (Steige). Quelle: Historisches Fotoarchiv Rat für Formgebung (Inv.-Nr.: SDDM_HF_0.000.384.002)


"Stockholm" Besteck 4-teilig von Dipl. Ing. Kurt Mayer, 1955
Württembergische Metallwarenfabrik Geislingen/Steige

"Stockholm" Besteck 4-teilig von Dipl. Ing. Kurt Mayer, 1955

Fotografie: Werkaufnahme, WMF Geislingen/Steige. Objekt: "Stockholm" Besteck 4-teilig von Dipl. Ing. Kurt Mayer, 1955, Württembergische Metallwarenfabrik Geislingen/Steige. Quelle: Historisches Fotoarchiv Rat für Formgebung (Inv.-Nr.: SDDM_HF_0.000.230.


Modernes versilbertes Rahmservice von Marianne Denzel
WMF Geislingen/Steige

Modernes versilbertes Rahmservice von Marianne Denzel

Fotografie: Werkaufnahme, WMF Geislingen/Steige.
Objekt: Modernes versilbertes Rahmservice von Marianne Denzel.
Quelle: Historisches Fotoarchiv Rat für Formgebung (Inv.-Nr.: SDDM_HF_0.000.307.002)


Messerserie "Classica" von Prof. K. Dittert, 1963/64
Württembergische Metallwarenfabrik Geislingen/Steige

Messerserie "Classica" von Prof. K. Dittert, 1963/64

Fotografie: Werkaufnahme, WMF Geislingen/Steige.
Objekt: Messerserie "Classica" von Prof. K. Dittert, 1963/64, Württembergische Metallwarenfabrik Geislingen/Steige.
Quelle: Historisches Fotoarchiv Rat für Formgebung (Inv.-Nr.: SDDM_HF_0.000.170.002)


Kragenvase von Sigrid Kupetz, 1957
Württembergische Metallwarenfabrik Geislingen (Steige)

Kragenvase von Sigrid Kupetz, 1957

Fotografie: Werkaufnahme, WMF Geislingen/Steige.
Objekt: Kragenvase von Sigrid Kupetz, 1957, Württembergische Metallwarenfabrik Geislingen (Steige).
Quelle: Historisches Fotoarchiv Rat für Formgebung (Inv.-Nr.: SDDM_HF_0.000.134.002)


Honig- oder Geleedose von Kurt Radtke, DID, 1959
Württembergische Metallwarenfabrik Geislingen/Steige

Honig- oder Geleedose von Kurt Radtke, DID, 1959

Fotografie: Werkaufnahme, WMF Geislingen/Steige.
Objekt: Honig- oder Geleedose von Kurt Radtke, DID, 1959, Württembergische Metallwarenfabrik Geislingen/Steige.
Quelle: Historisches Fotoarchiv Rat für Formgebung (Inv.-Nr.: SDDM_HF_0.000.462.002)


Entwicklung eines Kindermessers von Günter Kupetz, 1955
Württembergische Metallwarenfabrik Geislingen (Steige)

Entwicklung eines Kindermessers von Günter Kupetz, 1955

Fotografie: Werkaufnahme, WMF Geislingen/Steige.
Objekt: Entwicklung eines Kindermessers von Günter Kupetz, 1955, Württembergische Metallwarenfabrik Geislingen (Steige).
Quelle: Historisches Fotoarchiv Rat für Formgebung (Inv.-Nr.: SDDM_HF_0.000.226.00


Cocktailbecher von Prof. Dr. Braun-Feldweg, 1961
WMF Geislingen/Steige

Cocktailbecher von Prof. Dr. Braun-Feldweg, 1961

Fotografie: Werkaufnahme, WMF Geislingen/Steige.
Objekt: Cocktailbecher von Prof. Dr. Braun-Feldweg, 1961, WMF Geislingen/Steige.
Quelle: Historisches Fotoarchiv Rat für Formgebung (Inv.-Nr.: SDDM_HF_0.000.070.002)



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